Radikalisierung

unter Mitarbeit von
Frank Feuerschütz, Maik Fielitz, Nils M. Franke, Hande Abay Gaspar, Jakob Guhl, Julian Junk, Martin Kahl, Heike Kleffner, Ricarda Milke, Janina Pawelz, Marc Rüdiger, Anja Schmidt-Kleinert, Manjana Sold, Benedikt Widmaier, Hanne Wurzel

„Radikalisierung“ scheint als Überschrift für das aktuelle Zeitgeschehen (leider) gut zu passen und könnte für eine zukünftige historische Betrachtung unserer Zeit ein Schlüsselbegriff sein. Denn eine Radikalisierung lässt sich derzeit in mehrfacher Hinsicht beobachten: Im Hinblick auf den Zuwachs der extremen gesellschaftlichen Ränder einerseits und auf die rasante Erosion der scheinbar so stabilen Werte der gesellschaftlichen Mitte andererseits. Die unterschiedlichen Konzepte, die hinter dem Schlagwort „Radikalisierung“ stehen, sind in Wissenschaft und Praxis allerdings nicht unumstritten.…

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Bestellnummer: 40762
EAN: 9783734407628
ISBN: 978-3-7344-0762-8
Reihe: Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit
Erscheinungsjahr: 2018
Auflage: 1. Auflage 2018
Seitenzahl: 160
Produktinformationen

„Radikalisierung“ scheint als Überschrift für das aktuelle Zeitgeschehen (leider) gut zu passen und könnte für eine zukünftige historische Betrachtung unserer Zeit ein Schlüsselbegriff sein. Denn eine Radikalisierung lässt sich derzeit in mehrfacher Hinsicht beobachten: Im Hinblick auf den Zuwachs der extremen gesellschaftlichen Ränder einerseits und auf die rasante Erosion der scheinbar so stabilen Werte der gesellschaftlichen Mitte andererseits. Die unterschiedlichen Konzepte, die hinter dem Schlagwort „Radikalisierung“ stehen, sind in Wissenschaft und Praxis allerdings nicht unumstritten. Daher leuchten die Beiträge im neuen Schwerpunkt diesen Begriff aus verschiedenen Perspektiven kritisch aus.

Inhaltsübersicht

Editorial

Schwerpunkt

Editorial zum Schwerpunkt

Martin Kahl:
Was wir über Radikalisierung im Internet wissen.
Forschungsansätze und Kontroversen

Hande Abay Gaspar, Julian Junk, Manjana Sold:
Zum Verhältnis von Online- und Offline-Radikalisierung. Beobachtungen aus der Forschung zu salafistischem Dschihadismus

Anja Schmidt-Kleinert:
Ein kritischer Blick auf die Radikalisierungsforschung.
Ein Essay  

Heike Kleffner:
„Sie sind in meine Wohnung gekommen, because I am black.“.
Eine Fallstudie aus Sachsen-Anhalt

Hanne Wurzel:
Politische Bildung und Radikalisierungsprävention

Frank Feuerschütz, Marc Rüdiger:
Hassrede als Alltagsphänomen im Leben junger Menschen

Ricarda Milke:
Politische Bildung und Radikalisierungsprävention in Zeiten des Rechtspopulismus. Von den 1990er-Jahren lernen

Forum

Maik Fielitz, Jakob Guhl:
Strategische Polarisierung. Der Modus Vivendi islamistischer und muslimfeindlicher Mobilisierung

Benedikt Widmaier:
Erzieherischer Verfassungsschutz und politische Bildung

Nils M. Franke:
Um Begriffe und Inhalte kämpfen. Initiative „Naturschutz gegen Rechtsextremismus“
– Anliegen, Erfahrungen, Reaktionen  

Marktplatz

Fachstelle politische Bildung – Praxis und Forschung aus der Vogelperspektive
Nachwuchsforschungsgruppe zum NSU-Prozess standhalten – Rassismuskritische Unterrichtsmaterialien und Didaktik für viele Fächer
Citizien for Europe: building European mobilisation for diversity and democracy in Europe
Das Projekt „Den Menschen im Blick. Kompetenzen gegen Rassismus und Diskriminierung in Beruf & Alltag“ 
Rückkehr zu den politisch Verlassenen – Deutsch-französische Studie des Progressiven Zentrums
Das Modellprojekt „MUT – Interventionen. Geschlechterreflektierende Prävention gegen Rassismus im Gemeinwesen“
Läuft noch nicht? Gönn dir: 7 Punkte für eine Jugendarbeit gegen Antisemitismus
„AntiAnti – Museum Goes School“:  Ein Projekt des Jüdischen Museums Frankfurt zur Extremismusprävention
Bündnis Bildung für eine demokratische Gesellschaft  

Buchbesprechungen

Dana Fuchs: Hassbriefe. Moscheebau, Sprache und antimuslimischer Rassismus
(von Alexander Lorenz)

Robert Claus: Hooligans. Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik
(von Reiner Becker)

Kai Hirschmann: Der Aufstieg des Nationalpopulismus. Wie westliche Gesellschaften polarisiert werden
(von Helmolt Rademacher)

Autorinnen und Autoren

Autor*innen

Reiner Becker
Dr., Politikwissenschaftler, Leiter des Demokratiezentrums Hessen an der Philipps-Universität Marburg, Mitglied der Redaktion.

Frank Feuerschütz
(geb. Hofmann) ist Jugendbildungsreferent. Seit 2013 ist er der Verantwortliche für den Medienbereich und Seminare der Bundeszentrale für politische Bildung in der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein. Seit 15 Jahren arbeitet er in verschieden Bildungsstätten als Referent für politische Bildung mit dem Schwerpunkt digitale Medien. Er arbeitet mit spielpädagogischen Ansätzen wie Forumtheater, Mini-LARPs oder Computerspielen. Er führt Seminare für Kinder und Jugendliche durch und organisiert Bildungsurlaube für Berliner und Brandenburger Auszubildende.

Maik Fielitz
ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena leitete er das Projekt Interaktionsdynamiken islamistisch und rassistisch begründeter Demokratie- und Menschenfeindlichkeit. Er promoviert zum griechischen Rechtsextremismus an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Nils M. Franke
PD Dr., ist Historiker, Kommunikationswissenschaftler und Privatdozent für Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. Seit 2005 leitet er das Wissenschaftliche Büro Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des Natur- und Umweltschutzes, der Nationalsozialismus sowie Rechts­extremismus und Rechtspopulismus. Seine Expertise konnte er u. a. im Bundestag oder der Deutschen Bundesstiftung Umwelt einbringen. Seine Forschungen, Vorträge und Workshops orientieren sich an der aktuellen Relevanz historischen Wissens.

Hande Abay Gaspar
M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Programmbereich Transnationale Akteure am Leibniz-Insitut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) und arbeitet im Teilprojekt „Salafistischer Dschihadismus: Muster und Pfade der Radikalisierung“ im BMBF-geförderten Verbundprojekt PANDORA. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Radikalisierung und hierbei vor allem realweltliche Radikalisierungsprozesse sowie die Interaktion zwischen virtueller und realer Welt.

Jakob Guhl
M.A., ist Project Associate beim Institute for Strategic Dialogue in London. Dort arbeitet er vor allem bei der Online-Civil-Courage-Initiative, einem Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, die zivilgesellschaftliche Reaktion auf Hassrede und Extremismus im Internet zu verbessern und auszuweiten.

Julian Junk
Dr., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter im Programmbereich Transnationale Akteure am Leibniz-Insitut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) und leitet das HSFK-Büro in Berlin. Er ist Co-Leiter der Projekte „Gesellschaft Extrem“ und des Teilprojekts „Salafistischer Dschihadismus: Muster und Pfade der Radikalisierung“ im BMBF-geförderten Verbundprojekt PANDORA. Seine Forschungsschwerpunkte sind Radikalisierung und politische Gewalt, Sicherheitspolitik, internationale Organisationen, humanitäre Interventionen und UN-Peacekeeping.

Martin Kahl
PD Dr., ist Wissenschaftlicher Referent am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). Er ist Leiter des Teilprojekts „Vergleich Rechtsradikalismus – Salafismus/Dschihadismus, Deradikalisierung und Wissenstransfer“ im BMBF-geförderten Verbundprojekt PANDORA. Seine Forschungsschwerpunkte sind Terrorismus und Terrorismusbekämpung sowie Radikalisierung.

Heike Kleffner
ist Journalistin und seit April 2018 Geschäftsführerin des Verbands der Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt.

Alexander Lorenz
Studium der Geschichte und Religionswissenschaft an der Universität Potsdam, ist Redakteur bei „Medaon. Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung“ und u. a. in der politischen Bildung für den Deutschen Gewerkschaftsbund und andere Bildungsträger in Berlin und Brandenburg tätig.

Ricarda Milke
ist seit 2000 Bildungsreferentin bei Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V., hat Soziologie, Psychologie und Religionswissenschaften studiert und arbeitet seither an den unterschiedlichen Facetten im Themenbereich Rechtsextremismus/GMF, aktuell in Modellprojekten zur (rechten) Radikalisierungsprävention und Deradikalisierung.

Janina Pawelz
Dr., ist im Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt „Extrem rechte und salafistische Diskurse“ im BMBF-geförderten Verbundprojekt PANDORA.

Helmolt Rademacher
Lehrer, Dipl.-Pädagoge; war Leiter des Projekts Gewaltprävention und Demokratielernen (GuD) des Hessischen Kultusministeriums, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe).

Marc Rüdiger
Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein, Bildungsreferent mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik. Im Projekt „#Dislike – Kontrapunkte gegen Hass im Netz“ entwickelt er als Projektleiter Konzepte, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen Kompetenzen gegen Hate Speech zu vermitteln.

Anja D. Schmidt-Kleinert
Dr., Philipps-Universität Marburg, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt „Dynamiken rechter Gewalt im Kontext der Debatte um Flucht und Asyl. Gelegenheitsstrukturen und Gegenmaßnahmen“ im BMBF-geförderten Verbundprojekt PANDORA.

Manjana Sold
M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Insitut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) und im Teilprojekt „Salafistischer Dschihadismus: Muster und Pfade der Radikalisierung“ im BMBF-geförderten
Verbundprojekt PANDORA. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen dabei insbesondere in der Rolle des Internets bei Radikalisierungsprozessen und in der Verbindung zwischen virtueller und realweltlicher Radikalisierung.

Beneditk Widmaier
ist Direktor der Bildungsstätte Haus am Maiberg, Akademie für politische und soziale Bildung.

Hanne Wurzel
Bundeszentrale für politische Bildung, ist Leiterin des Fachbereichs Extremismus.

Stimmen zum Buch

„Die Reihe im Allgemeinen zeichnet sich durch ein ausgewogenes Verhältnis von einheitlichem Schwerpunkt und gleichzeitiger Themenvielfalt aus. Die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis gelingt durch eine klare Struktur des Heftes mit einleitendem Theoriebeitrag und folgenden Praxisbezügen. (…) Somit ist „Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit“ eine Bereicherung auf dem Markt der Fachdidaktik, die auch für Lesende ohne Vorkenntnisse zugänglich ist.“

Lucas Frings, lernen-aus-der-geschichte.de

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Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit

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Haltung
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Überall begegnen wir Haltung – ein Containerbegriff, der, insbesondere, wenn er mit symbolträchtigen Zeichen und Bildern verknüpft wird, zentralen Aufforderungscharakter hat: Wer bist du, wofür stehst du, was ist dein Standpunkt, deine Position? Ein jeder/eine jede wird in der Lage sein, Haltung für sich zu definieren, verfügt über Vorstellungen und Erfahrungswissen, was unter Haltung zu verstehen ist. Doch wie kann der Begriff Haltung über das Alltagsverständnis hinaus gefasst und beschrieben werden? Es drängt sich also die Frage auf: „Was ist Haltung?“ Im Schwerpunkt dieser Ausgabe blicken die Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Perspektiven auf den Begriff Haltung. Dabei wird klar: einfache und eindeutige Antworten kann es zu diesen Fragen nicht geben. Das Heft ist vielmehr eine Einladung zum Denken.
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Visegrád-Staaten in der EU. Polarisierung - Radikalisierung - Diskriminierung
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Die Polarisierung der Gesellschaft ist mittlerweile zu einem Schlagwort geworden, das in kaum einer politischen Analyse fehlt. Trump, der Brexit, Migration und die fast schon wieder in den Hintergrund gerückte Fluchtbewegung aus dem Süden nach Europa, auch Globalisierung und Klimawandel, und die seit nunmehr einem Jahr anhaltende Coronapandemie … In all diesen Themenfeldern zeichnet sich tatsächlich eine ganz grundsätzliche Polarisierung der Positionierungen ab, die Zwischentöne überlagert. Die vorliegende Ausgabe der Zeitschrift für Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit will in ihrem Schwerpunkt all jene in den Vordergrund rücken, die „on-the-ground“ in der Praxis für eine offene, liberale und vielfältige Gesellschaft in ihren Ländern und in der EU kämpfen. Der Schwerpunkt zu „Polarisierung, Radikalisierung und Diskriminierung in Europa“ der Ausgabe fokussiert im Besonderen die Situation in Mittel- und Osteuropa der Praxis von Prävention und Intervention im Feld von Demokratiebildung, Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.
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Mega Megatrend Klimawandel
Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit 2/2020
Der Klimawandel ist eine der zentralen politischen Aufgaben der Gegenwart und stellt die Demokratie auf eine harte Bewährungsprobe. Denn die Bewältigung des Klimawandels erfordert langfristiges, konsequentes und gemeinsames Handeln, welches sich mit den langwierigen, komplexen und interessensabwägenden Abläufen von Demokratie bei gleichzeitig kurzfristiger Perspektive von Wahlperioden beißt. Darüber hinaus versuchen gegenwärtig  unterschiedliche rechtspopulistische und rechtsextremistische Akteure, die Verunsicherungen aufzugreifen und als einen weiteren ideologischen Baustein zur Infragestellung des demokratischen Systems fruchtbar zu machen. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe der Zeitschrift Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit versucht, verschiedene Facetten des Megatrends Klimawandel in seinen Bezügen zu politischen Tendenzen auszuleuchten.
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30 Jahre Mauerfall. Demokratie und nun?
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30 Jahre nach dem Fall der Mauer geht der Blick vielfach zurück auf die Ereignisse von 1989, aber auch auf die Zeit des für fast alle Menschen im Osten einschneidenden Umbruchs danach. Zunehmend kritisch wird nach den Transformationserlebnissen und danach, wie sie bis heute den Osten prägen, gefragt. Verknüpft wird dies auch mit der Frage, warum nun ausgerechnet in den ostdeutschen Bundesländern die Alternative für Deutschland (AfD) so erfolgreich ist und bei den jüngsten Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen 2019 zur zweitstärksten Kraft aufsteigen konnte (bei jungen Leuten wurde sie z. T. sogar stärkste), eine Partei, hart am rechten Rand, die gerade im Osten auch einen eindeutig völkisch-rechtsextremen Charakter hat. Die deutsche Geschichte lehrt, gegenüber mangelnder Demokratieerfahrung in der Bevölkerung, schleichender Aushöhlung und gezielten Umsturzversuchen durch politische Akteure höchst aufmerksam zu sein.
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Die Generation, die ihre Demokratie wiederentdeckt
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Klageschriften über die vermeintlich unpolitische und kaum engagierte Jugend gehörten über Jahre hinweg zu den Dauerbrennern der Presselandschaft. Passé, seitdem Greta Thunberg freitags die Schule bestreikte und ihrem Beispiel weltweit Millionen junger Menschen folgten. Die Jugend entdeckt die Klimakrise als Thema und macht sich Sorgen um die Zukunft des Planeten. In eine ganz gegenwärtige Kommunikationskrise trudelte die Regierungspartei CDU im vergangenen Jahr aufgrund eines Youtube-Videos: Unter dem Namen „Die Zerstörung der CDU“ hatte es der Youtuber „Rezo“ ins Netz gestellt. Millionen klickten das Zerstörungsvideo an und die überwiegende Mehrheit der über 30-Jährigen im Land fragte sich: Wer ist dieser Mensch mit den blauen Haaren und warum kann er eine bundespolitische Debatte anstoßen? Die Jugend ist also doch politisch und engagiert. Die Frage ist: Entdeckt die junge Generation die Demokratie wieder oder erfindet sie gerade ganz neue Antworten darauf, wie im Zeitalter sozialer Netzwerke Partizipation und Mitbestimmung gestaltet werden?
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„Shrinking Spaces“ ist ein Begriff, der bisher vor allem im Kontext von Politik und Entwicklungszusammenarbeit bekannt ist und beschreibt die Zunahme schwindender Handlungsräume für zivilgesellschaftliche Organisationen in autokratischen Systemen. Doch zeigen sich auch in den etablierten Demokratien einzelne, aber immer deutlich konturiertere Facetten, welche von Shrinking Spaces zeugen. Legt man diese einzelnen Bruchstücke nebeneinander, so wird das Mosaik immer deutlicher, welches die zunehmende Einschränkung von Handlungsspielräumen der Zivilgesellschaft visualisiert. Der vorliegende Schwerpunkt widmet sich einzelnen Mosaiksteinen, ohne den Anspruch eines vollständigen Bildes zu erheben.
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Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit 1/2018
Gesellschaft und Politik sind in Bewegung, der Sog der öffentlichen und politischen Debatte zieht nach rechts.Dies trifft mit besonderer Wucht all jene, die von Rassismus und Antisemitismus betroffen sind, aber auch diejenigen, welche sich professionell oder ehrenamtlich dagegen engagieren. Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren in Wissenschaft und Praxis diverse Konzepte entwickelt worden, die systematisch Abwertung und Ausgrenzung von Personen analysieren „Sind wir gut und noch richtig aufgestellt?“ steht unter den sich verändernden gesellschaftlichen Vorzeichen laut und mit Dringlichkeit im Raum. Die Frage lautet schlicht: Was ist von den Konzepten (jeweils) brauchbar mit Blick auf die Herausforderungen der Zeit?
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Radikalisierung
„Radikalisierung“ scheint als Überschrift für das aktuelle Zeitgeschehen (leider) gut zu passen und könnte für eine zukünftige historische Betrachtung unserer Zeit ein Schlüsselbegriff sein. Denn eine Radikalisierung lässt sich derzeit in mehrfacher Hinsicht beobachten: Im Hinblick auf den Zuwachs der extremen gesellschaftlichen Ränder einerseits und auf die rasante Erosion der scheinbar so stabilen Werte der gesellschaftlichen Mitte andererseits. Die unterschiedlichen Konzepte, die hinter dem Schlagwort „Radikalisierung“ stehen, sind in Wissenschaft und Praxis allerdings nicht unumstritten. Daher leuchten die Beiträge im neuen Schwerpunkt diesen Begriff aus verschiedenen Perspektiven kritisch aus.
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Zeitenwende
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Die Aufnahme von Flüchtlingen seit dem Sommer 2015 wirkt wie ein Katalysator für  eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung. Vorhandene Vorurteile gegenüber gesellschaftlich schwachen Gruppen finden zunehmend ihre Bindung: In den Echokammern der Sozialen Netzwerke, auf der Straße bei Pegida oder in der stetigen Etablierung der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“. Welchen Folgen haben diese und andere Prozesse auf die Politische Kultur der Bundesrepublik? Wie stabil ist das demokratische System in Zeiten solcher vielfältiger Belastungsproben? Das neue Themenheft sucht aus unterschiedlichen Perspektiven nach Antworten.
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Mit dem Aufstieg des Rechtspopulismus in den vergangenen beiden Jahren finden zunehmend Diskursverschiebungen unter dem Schlagwort „Man wird doch noch sagen dürfen…“ auf der großen gesellschaftspolitischen Bühne statt; die innovative Praxis in diesem Feld beobachtet und thematisiert aber inzwischen auch das Eindringen in die familiäre Welt. Das Spektrum reicht dabei insgesamt vom Ringen der demokratischen Gesellschaft um ihre Wertvorstellungen und die Formen der angemessenen Auseinandersetzung bis hin zu Radikalsierungen im familiären und persönlichen Kontext. Mehr zum Konzept erfahren und Gratis-Probeheft anfordern: www.demokratie-gegen-menschenfeindlichkeit.de
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Zum sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU), seinen Mord- und weiteren Gewalt- und Straftaten liegen diverse Publikationen vor, mehrere Untersuchungsausschüsse der Länder und des Bundes haben sich mit ihm befasst und befassen sich noch damit. Neben den Untersuchungsausschüssen sind es vor allem journalistische Recherchen, zivilgesellschaftliche Akteur_innen und die Angehörigen der Mordopfer mit den Nebenklageanwält_innen, die weitere Fragen zum NSU, der rechtsextremen Szene und der Arbeit von zuständigen Behörden aufgeworfen haben. Einiges ist aufgeklärt, vieles noch nicht und es bleibt abzuwarten, was noch ans Tageslicht befördert wird. Dabei zeigt u. a. der Verhandlungsverlauf des Münchener „NSU-Prozesses“ gegen Beate Zschäpe wegen Mittäterschaft in zehn Mordfällen, besonders schwerer Brandstiftung und Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer, welchen Aufklärungsbedarf es noch gibt. Wie der NSU entstand und was er über die Gesellschaft verrät – davon ist wenig bekannt. Vor allem die gesellschaftlichen Ursprünge der rassistischen Mordtaten, „Sinn“ und „Funktion“ dieses Terrorismus bedürfen ebenso weiterer Aufhellung wie die Mechanismen der Radikalisierung der Gewaltgruppe jenseits von Einzeltätertheorien und simplen Schuldzuweisungen an staatliche Institutionen. Auch fünf Jahre nach dem Öffentlichwerden des „NSU-Komplex“ gibt es noch viele offene Fragen zur Vernetzung und Einbindung des „Trios“ in die rechtsextreme Szene, zu ihren Kontaktleuten, Helfer_innen und Mitwisser_innen „vor Ort“ sowie zur Arbeit von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten bzw. von einzelnen Mitarbeiter_innen. Nicht zuletzt bedarf es sorgfältiger Aufbereitung, Sortierung, Einordnung und Interpretation der zahlreichen bekannt gewordenen Informationen und ihrer Zusammenführung zu einem Gesamtbild, das auch fünf Jahre nach dem öffentlichen Bekanntwerden der NSU-Untergrundgruppe noch unvollständig ist. Das vorliegende Themenheft leistet dazu einen Beitrag aus unterschiedlichen Perspektiven.
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Gute Flüchtlinge, schlechte Flüchtlinge?!
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Eine zweimal jährlich erscheinende Fachzeitschrift kann nicht der Ort für die Diskussion tagesaktueller Ereignisse sein, jedoch erscheint die erste Ausgabe in einer Zeit, die unter den Vorzeichen eines möglicherweise tief greifenden gesellschaftspolitischen Wandels steht, der sich in einigen markanten Punkten immer deutlicher offenbart. An der sogenannten „Flüchtlingsfrage“ lässt sich aber wie unter dem Brennglas ablesen, was sich die neu gegründete Zeitschrift „Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit“ auf die Fahne geschrieben hat: die Beschreibung und Analyse von Themen und Herausforderungen aus Sicht von und für Wissenschaft und Praxis. Dazu gehören Analysen der aktuellen politischen Debatten und ihrer Auswirkungen auf die Praxis sowie der Wirkmächtigkeit menschenfeindlicher Stimmungsmache, die in Diskriminierung und Gewalt münden kann, aber eben auch die Vorstellung von Best-practice-Beispielen zivilgesellschaftlichen Engagements und die Darstellung der Herausforderungen für die Entwicklung einer demokratischen Kultur. Das aktuelle Heft greift einige der Themenstränge sowohl analytisch auf und ordnet sie empirisch und praxisbezogen ein.
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