Geschichte ist Bewusstsein

Historie einer geschichtsdidaktischen Fundamentalkategorie

von
Jörg van Norden

Muss der Begriff „Geschichtsbewusstsein“ überdacht werden, um den Herausforderungen einer immer heterogeneren Gesellschaft zu begegnen? Oder ist er eventuell so veraltet, dass man besser ganz auf ihn verzichtet? Um dies zu beantworten, muss erst einmal geklärt werden, was mit „Geschichtsbewusstsein“ überhaupt gemeint und welche Geschichte mit dem Begriff verbunden ist. Das unternimmt der Autor in diesem Band. Es zeigt sich, dass  „Geschichtsbewusstsein“ bereits lange vor den 1970er Jahren und übrigens auch in der DDR zu den geschichtstheoretischen und epistemologischen Schlüsselbegriffen gehö…

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Bestellnummer: 40672
EAN: 9783734406720
ISBN: 978-3-7344-0672-0
Erscheinungsjahr: 2018
Auflage: 1. Aufl.
Seitenzahl: 400
Produktinformationen

Muss der Begriff „Geschichtsbewusstsein“ überdacht werden, um den Herausforderungen einer immer heterogeneren Gesellschaft zu begegnen? Oder ist er eventuell so veraltet, dass man besser ganz auf ihn verzichtet? Um dies zu beantworten, muss erst einmal geklärt werden, was mit „Geschichtsbewusstsein“ überhaupt gemeint und welche Geschichte mit dem Begriff verbunden ist. Das unternimmt der Autor in diesem Band.

Es zeigt sich, dass  „Geschichtsbewusstsein“ bereits lange vor den 1970er Jahren und übrigens auch in der DDR zu den geschichtstheoretischen und epistemologischen Schlüsselbegriffen gehört hat. Karl-Ernst Jeismann griff diese Tradition erfolgreich auf. Was er 1976 als Geschichtsbewusstsein definierte, ist allerdings bis heute eine Leerformel geblieben. Die Konkretisierung, die er zehn Jahre später vornahm, wurde in der Geschichtsdidaktik nicht aufgegriffen. Diese Konkretisierung aber ist zukunftsweisend: Geschichtsbewusstsein ist das Wissen um den Bauplan der eigenen Konstruktion historischer Wirklichkeit.

Inhaltsübersicht

Vorwort

Einleitung: Vom Unbehagen

 

A. Weimarer Republik und ‚Drittes Reich‘

1. Nähe und Ferne zum Nationalsozialismus

2. Die überzeugten Profiteure

2.1 ‚Die Herrenrasse‘: Dietrich Klagges und Max Wundt

2.2 Vom Volk unter Völkern zur „Herrenrasse“: Ernst Krieck

2.3 Volk unter Völkern: Harold Steinacker, Erich Rothacker, Rudolf Stadelmann

3. Überzeugte Idealisten? Ein Volk unter Völkern: Philipp Hördt und Gerhardt Giese

4. Der Gegner – Menschheit und Individuum: Siegfried Kawerau

5. Der Unbekannte: Kurt Sonntag

6. Fazit: Geschichtsbewusstsein – kollektiv, völkisch, metaphysisch

 

B. Die Männer des Übergangs und der Kontinuität? Ernst Anrich, nErnst Wilmanns, Erich Weniger, Theodor Litt, Richard Koebner und Reinhard Wittram

1. Ernst Anrich: Die Kontinuität von Volk und Gehorsam

2. Ernst Wilmanns: Die Kontinuität von Geist und Gemeinschaft

3. Erich Weniger: Kontinuität im Schatten des Nationalsozialismus

4. Theodor Litt: Kontinuität von Individualität und kritischer Selbstreflexion

4.1 Verstehen und Missverstehen

4.2 Geist und Leben

4.3 Statt Determinismus Freiheit

4.4 Die Notwendigkeit historischen Verstehens

4.5 Die Grenzen des Verstehens

4.6 Geschichtsbewusstsein geisteswissenschaftlich .

5. Richard Koebner: Auf dem Weg zu Individualität und wissenschaftlicher Kontrolle

6. Reinhard Wittram: Die Entwicklung zu einem säkularisierten Historismus?

7. Fazit: Vorsichtige Kontinuität

 

C. Die Wurzeln geisteswissenschaftlichen Geschichtsbewusstseins: Johann Gustav Bernhard Droysen und Wilhelm Dilthey

 

D. Zwischen ‚Stunde Null‘ und Hessischen Rahmenrichtlinien – Der Charme des Wandels?

1. Metaphysik und Verstehen

2. Individuum, Volk, Nation, Europa, Welt

3. Rationalismus, Wissenschaft, Konstruktivismus

4. Zeit

5. Inhalte

6. Geschichtsbewusstsein – Definitionen und Modelle

7. Fazit: Kontinuität statt Neuanfang

 

E. Bewusstsein psychologisch

 

F. Geschichtsbewusstsein im DDR‑Diskurs: Planerfüllung oder Diversifizierung?

1. Im Vorfeld der „Aktion Geschichtsbewußtsein“

2. Der Auftakt: Implementierung, Initiierung oder Resümee?

3. Lasst tausend Blumen blühen?

3.1 Geschichtswissenschaft, Geschichtsbild und Geschichtsbewusstsein

3.2 Die Operatoren des Geschichtsbewusstseins

3.3 Geschichtsbewusstsein und gesellschaftliches Bewusstsein

4. Schluss der Debatte?

4.1 Die Intervention Schmidts und Streisands 1969

4.2 Das Echo auf Schmidt und Streisand

4.3 Die Kanonisierung 1970

5. Der Diskurs bis zum Zusammenbruch der DDR

6. Fazit: Von Vielfalt zu Einfalt

 

G. Die Kontroverse um die emanzipatorische Didaktik 1972 – 1990: Ein Paradigmenwechsel?

1. Die emanzipatorische Geschichtsdidaktik

1.1 Die Hessischen Rahmenrichtlinien – Arbeitsschwerpunkt Geschichte

1.2 Die liberal-demokratische Variante

1.3 Die systemkritische Variante

2. Die Vermittlungspartei

2.1 Geschichtsbewusstsein und Narration: Jörn Rüsen

2.2 Geschichtsbewusstsein und Hermeneutik: Karl-Ernst Jeismanns

3. Die nationalistische Schule

4. Die Emanzipation des lebensweltlichen Geschichtsbewusstseins

5. Die geisteswissenschaftliche Schule

6. Der Streit – Ein Generationenkonflikt?

7. Fazit: Der Mythos von der Wende

 

H. Von der Deutschen Einheit bis zur Gegenwart – Geschichtsbewusstsein als Autopsie?

1. Nationalbewusstsein und Geschichtsbewusstsein

2. Individuum und Kollektiv

3. Die Grenzen des Wissens

4. Die Vitalität der geisteswissenschaftlichen Schule

5. Leerformel statt Bewusstheit

6. Fazit: Präzisierung als Chance

 

I. Rückblick und Ausblick: Unabgegoltene Möglichkeiten

 

Literaturverzeichnis

Autor*innen
Privatdozent Dr. Jörg van Norden, Dozent für Geschichtsdidaktik an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld.
Stimmen zum Buch
„Van Nordens Begriffsgeschichte des Geschichtsbewusstseins ist ein künftiges Standardwerk.“
Josef Memminger, Literaturbericht GWU 72, 2021

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