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Migration und Heimat

Journal für politische Bildung 3/2019

Bestellnummer: JpB3_19 (Print) / 40904 (PDF)
unter Mitarbeit von: Thure Alting, Aladin El-Mafaalani, Michael Frehse, Wolfgang Gaiser, Ole Jantschek, Merve Kayikci, Johann de Rijke, Christian Schüle, Hilal Sezgin-Just
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: ca. 80
ISBN: JpB3_19 (Print) / 978-3-7344-904-2 (PDF)
Reihe: Journal für politische Bildung

Verfügbarkeit: Vorbestellen, erscheint Ende III. Quartal 2019

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Migration und Heimat

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Über das Buch

Die fünfjährige Melissa spaziert auf die Bühne und stellt sich Jury und Publikum vor. „Du siehst aber hübsch aus“, sagt Dieter Bohlen. Das Mädchen bedankt sich. Jetzt möchte Bohlen wissen, woher Melissa denn komme. Aus Herne, antwortet sie. Die Antwort scheint ihm aber nicht zu genügen. „Mama und Papa, wo kommt ihr her, Philippinen oder?“, lautet die nächste Frage. Auch die Eltern würden aus Herne kommen, antwortet Melissa. Eigentlich müsste es das jetzt gewesen sein, aber Dieter Bohlen kann nicht glauben, dass ein Mädchen, das für ihn nicht deutsch aussieht, einfach nur aus Herne kommt. Er fragt also ungelenk weiter: „Kommt ihr irgendwie, wo kommt ihr her, aus welchem Land, gebürtig?“ Bohlen stottert mittlerweile vor Ungeduld und Irritation. „Ich weiß es nicht“, antwortet Melissa, nun deutlich verunsichert, und das Publikum kriegt sich vor Lachen nicht mehr ein. „Oma und Opa oder so?“, bleibt Bohlen hartnäckig.

Die Szene stammt aus der RTL-Castingshow „Das Supertalent“, die im November 2018 ausgestrahlt wurde. Malcolm Ohanwe, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, hat im Frühjahr 2019 das Video bei Twitter geteilt und damit eine Diskussion darüber ausgelöst, wie weit man mit der Fragerei tatsächlich gehen sollte und ab welcher Generation die Familie denn nun aus Herne kommen dürfe. Der Journalist kritisierte Bohlens Verhalten, denn durch die Fragen werde man schon als Kind „fremdgemacht“. Bei vielen Menschen wird ständig und wiederholt nachgehakt: „Nein. Wo kommst du wirklich her?“, bis ggf. die gefragte Person genervt das Herkunftsland der (Groß-)Eltern nennt. Seitdem twittern Menschen unter dem Hashtag #vonhier, wie beispielsweise deren Antworten in diesem Kontext für viele weiße Deutsche nicht befriedigend genug sind. Wenige Tage später nahm die ARD-Sendung „Hart aber Fair“ die Diskussion unter dem Titel „Heimat Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle?“ auf, was im Netz für viel Furore sorgte und das Thema ein Jahr nach Gründung des „Heimatministeriums“ wieder in die Schlagzeilen brachte.

Dieses Phänomen nennt sich „Othering“ und ist eine Abgrenzungspraxis, die u.a. durch Handlungen die „Anderen“ in Differenz zu den „Eigenen“ konstruiert. Für Betroffene handelt es sich hierbei oft um eine Form von Rassismus. Und Heimat spielt hier eine große Rolle. Dabei haben viele Menschen in Deutschland, mit und ohne sog. Migrationshintergrund, ein ambivalentes Verhältnis zum Begriff „Heimat“. Heimat als Traum oder Albtraum? Diese Ausgabe des Journal geht dem Begriff in seinen verschiedenen Facetten und aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund.

Inhaltsübersicht

MitDenken

Thure Alting
„Hate Speech“ und Hass
Annäherung an eine ambivalente Emotion

SchwerPunkt: Migration und Heimat

Christian Schüle
Unsere ewige Sehnsucht nach Geborgenheit

Michael Frehse
Wie wir mit Heimatpolitik Zukunft gestalten

Aladin El-Mafaalani
Der Heimatdiskurs und die paradoxen Verhältnisse zwischen Teilhabe und Diskriminierung

Hilal Sezgin-Just
Ringen mit Heimat
Eine postmigrantische Auseinandersetzung

Ole Jantschek
Geschützte Räume, kontroverse Räume
Politische Bildung in einer Gesellschaft der Diversität

ZeitZeugen

Merve Kayikci
Über alte Grenzen hinweg in ein geeintes Europa!

BildungsPraxis

Diversitätsorientierte politische Bildung (von Ole Jantschek)

Interreligious Peers
Peer-Trainer/-innen für religiöse und weltanschauliche Vielfalt und Verständigung

Train the trainer
Qualifizierungsmodule für Black und People of Color (BPoC)

Making Heimat goes Europe
Internationales Seminar als Höhepunkt der Peer-Trainer/-innenausbildung

VorGänge

LeseZeichen

Was hält das Dorf zusammen? / „AntiAnti“ in der Berufsschule / Kritische politische Bildung im Fokus /
Konjunkturen des Nationalismus

ÜberGrenzen

Wolfgang Gaiser, Johann de Rijke
Nach der Europawahl: Politische Artikulation und Beteiligung der Jugend in Europa

AusBlick

Zu den Autoren

Thure Alting
studierte von 2014 bis 2018 in Wiesbaden Soziale Arbeit (BA). Seit Januar 2019 arbeitet er als Bildungsreferent für die Jugendinitiative Spiegelbild in einem Projekt zu Antisemitismus im Internet. Für Spiegelbild ist er bereits seit 2016 im Bereich der historisch-politischen Bildungsarbeit aktiv.

Aladin El-Mafaalani
ist Professor am Lehrstuhl für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft am Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück sowie Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Dr. Michael Frehse
ist Leiter der Abteilung Heimat im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Dr. Wolfgang Gaiser,
Sozialforscher, arbeitete von 1972 bis 2011 am Deutschen Jugendinstitut in München, zuletzt als Grundsatzreferent für Jugendforschung. Forschungsschwerpunkte: Jugend und Arbeit, Umwelt, Wohnen, Politik, Partizipation, Europa. Ole Jantschek ist Pädagogischer Leiter der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung.

Johann de Rijke,
Dipl. Soz., war bis 2011 wissenschaftlicher Referent am Deutschen Jugendinstitut, zuletzt in der Abteilung Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden. Forschungsschwerpunkte: Sozialwissenschaftliche Methoden und Analysen, Politische Einstellungen und politische und soziale Partizipation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Christian Schüle
studierte Philosophie, Soziologie und Politische Wissenschaft an den Universitäten München und Wien. Er war Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT und lebt seit 2005 als freier Schriftsteller, Essayist und Publizist in Hamburg. Unter seinen elf Büchern sind die Essays „Deutschlandvermessung“, „Heimat. Ein Phantomschmerz“ und zuletzt „In der Kampfzone“.

Hilal Sezgin-Just
hat Soziologie (BA) an der Technischen Universität Berlin sowie Religion und Kultur (MA) an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Gegenwärtig ist sie Projektleiterin eines BMFSFJ-geförderten gesellschaftspolitischen Projekts am Museum für Islamische Kunst. Gemeinsam mit Freunden gründete sie 2018 den Blog „Dreinblick“, der als muslimisches Feuilleton philosophischen und literarischen Gedanken Raum gibt.

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