Vertreibung, Flucht, Asyl

Soziales Engagement und politische Bildung – Geflüchtetenarbeit: Bildungsangebote und Praxisbeispiele – Interkulturelle Pädagogik, Interkulturelle Öffnung, „Schwarz-Rot-Bunt“ – Beutelsbacher Konsens: Überwältigende Wirtschaft

unter Mitarbeit von
Boris Brokmeier, Sebastian Engmann, Friedrun Erben, Nissar Gardi, Daniela Keeß, Ulrike Lingen-Ali, Paul Mecheril, Berthold Meyer, Markus Ottersbach, Julian von Oppen, Judith Sucher, Alexander Wohnig

Aktuell sind über 60 Millionen Menschen weltweit dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um sich und ihre Angehörigen in Sicherheit zu bringen. Mit der Erhöhung der Geflüchtetenzahlen diversifizieren sich die Fluchtmotive. Zu den altbekannten Gründen wie (Bürger-)Krieg, politische Verfolgung und Vertreibung kommen seit ein paar Jahren auch Fluchtmotive wie Klimawandel, Umweltzerstörung, Naturkatastrophen sowie die zunehmende Armut, oft gepaart mit Hungerkatastrophen, hinzu. Im Zuge der Globalisierung erlangte ein Teil der Welt, unser Teil, unvorstellbaren Wohlstand. Die Globalisierung kehrt…

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Bestellnummer: 40334
EAN: 9783734403347
ISBN: 978-3-7344-0334-7
Erscheinungsjahr: 2016
Auflage: 1. Auflage 2016
Seitenzahl: 104
Produktinformationen

Aktuell sind über 60 Millionen Menschen weltweit dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um sich und ihre Angehörigen in Sicherheit zu bringen. Mit der Erhöhung der Geflüchtetenzahlen diversifizieren sich die Fluchtmotive. Zu den altbekannten Gründen wie (Bürger-)Krieg, politische Verfolgung und Vertreibung kommen seit ein paar Jahren auch Fluchtmotive wie Klimawandel, Umweltzerstörung, Naturkatastrophen sowie die zunehmende Armut, oft gepaart mit Hungerkatastrophen, hinzu. Im Zuge der Globalisierung erlangte ein Teil der Welt, unser Teil, unvorstellbaren Wohlstand. Die Globalisierung kehrt sich aktuell gewissermaßen um: Auf einmal kommt der andere, ärmere Teil der Welt zu uns, auch da es bei uns friedlich ist. Diese Entwicklungen machen es immer schwieriger, klar und eindeutig von legitimen Fluchtgründen zu sprechen und welche Fluchtmotive mehr oder weniger Berechtigung haben als andere.

Die stark steigenden Zahlen derjenigen, die von ihrem Grundrecht auf Asyl Gebrauch machen (möchten) und zum Teil lebensgefährliche Überfahrten über das Mittelmeer auf sich nehmen, fordern die bisherigen Strukturen und Verfahren heraus. Da viele Menschen die Passage mit dem Leben bezahlen oder irgendwo in Europa unter den unwürdigsten Bedingungen leben sind damit auch moralische Fragen verbunden. Schon seit einigen Monaten hört man in Politik, Öffentlichkeit und Medien kaum mehr etwas davon, dass unsere Werte universell, Menschenrechte unteilbar, das Grundgesetz unmittelbar geltendes Recht und die Würde des Menschen unantastbar seien – zumindest im aktuellen Kontext von Vertreibung, Flucht und Asyl.

Hierzulande gibt es Vorbehalte und Ängste, die Gesellschaft könnte durch die Aufnahme der vielen Schutzsuchenden überfordert sein – an den radikalisierten Überzeugungen innerhalb der deutschen Gesellschaft hat sich bereits das Journal 4/2015 abgearbeitet. Doch zugleich gibt es aktuell viele zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich für die Unterstützung von Geflüchteten einsetzen. Diesen gesellschaftlichen Rückenwind gilt es zu nutzen, um vor allem die Kommunen, andere lokale Akteure, und die politische Bildung noch besser zu unterstützen. Dieses Heft widmet sich den aktuellen Herausforderungen des Themas in Theorie und Praxis.

Einleitend wird ein Schlaglicht auf das komplexe Themenfeld geworfen, wobei insbesondere aktuelle Phänomene und Motive der Migration sowie ökonomistische Kategorisierungen Geflüchteter sowie Geschlechterverhältnisse kritisch besprochen werden. Ebenfalls wird detailliert darauf eingegangen, wie die deutsche Gesellschaft mit einem wachsenden Anteil von Zugewanderten umgehen sollte und wie eine Kulturalisierung von sozialen Problemlagen vermieden werden kann. Auf drei theoretischen Beiträge folgen drei Beispiele aus der Praxis politischer Bildung. Hierbei werden die Notwendigkeit einer interkulturellen Öffnung der Einrichtungen politischer Bildung betont und Praxisbeispiele der Unterstützung und Orientierung für Flüchtlinge sowie von Bildungsangeboten für die aufnehmende Gesellschaft vorgestellt. Zudem werden Tipps zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gegeben; auch im Kontext einer internationalen Jugendbegegnung. Über das SchwerPunkt-Thema hinaus thematisiert das Heft ein Modellprojekt zwischen Schule und außerschulischer Bildungseinrichtung, in dem Gelingensbedingungen einer Verbindung von sozialem und politischem Lernen erarbeitet wurden.

Inhaltsübersicht

Editorial

SchwerPunkt
VERTREIBUNG, FLUCHT, ASYL

Nissar Gardi, Ulrike Lingen-Ali, Paul Mecheril
Politische Bildung unter Bedingungen von Flucht und globaler Ungleichheit

Markus Ottersbach
Transnationale Bewegungen als Herausforderung für Bildung
Brauchen wir neue Konzepte?

Julian von Oppen
Interkulturelle Pädagogik und Migrationsgesellschaft
Rückschlüsse aus Theorie und Empirie zur Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen

Boris Brokmeier, Friedrun Erben
Zuwanderung, Flucht und Asyl im Fokus politischer Bildung
Konzeptionelle und praxisbezogene Überlegungen, Erfahrungen und Forderungen

Sebastian Engmann, Daniela Keeß
Politische Bildung im Rahmen der Hilfen für geflüchtete Menschen
Erfahrungen, Ansätze und Herausforderungen des Internationalen Bundes

Judith Sucher
Praxis internationale Jugendbildung
Das Thema „Flucht, Migration und Willkommenskultur“

MitDenken

Alexander Wohnig
Kooperationen schaffen!
Soziales Engagement und politische Bildung zwischen Schule und außerschulischer Bildungseinrichtung

ÜberGrenzen

Berthold Meyer
Wieder festen Boden unter den Füßen

LeseZeichen

Partizipative und bildende Engagementerfahrungen für Kinder / Körperlich-psychische Wahrnehmungsweisen statt Kulturalisierung /
Professionalisierung der Hochschullehre / Ein Wegbereiter / Politische Bildung seit 1989

VorGänge

bap verabschiedet Teile des Vorstands / update: politik jugend bildung / Linksammlung Flucht & Asyl / Flüchtlingsproblematik im Planspiel /
planpolitik – Wie funktioniert eigentlich Politik? / 40 Jahre Beutelsbacher Konsens / Überwältigende Wirtschaft / Beutelsbacher Konsens und politische Kultur

AugenMerk

AdB: Broschüre zur Interkulturellen Öffnung / IDA: Fluchtursachen und Europäische Rechte / HU: DDR-Geschichte online /
Aktionstage Politische Bildung setzen 2016 aus / Personen & Organisationen / Veranstaltungen

 

Autor*innen

Boris Brokmeier ist Leiter der Ländlichen Heimvolkshochschule Mariaspring e.V. in Bovenden-Eddigehausen. Er war bis Ende 2015 Referent für Jugend und
Fortbildung und stellvertretender Geschäftsführer des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB).

Sebastian Engmann, M.A., ist Geschäftsführer in der Zentralen Geschäftsführung des Internationalen Bunds (IB) und leitet dort das Ressort Produkte & Programme. Der IB ist mit seinem eingetragenen Verein, seinen Gesellschaften und Beteiligungen einer der großen Dienstleister in der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit in Deutschland.

Dr. Friedrun Erben ist Referentin für Kommunikation und Medien in der Geschäftsstelle des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) sowie Redakteurin der Fachzeitschrift „Außerschulische Bildung“.

Nissar Gardi ist Erziehungswissenschaftlerin und Bildungsreferentin im Projekt „empower – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“, ARBEIT UND LEBEN Hamburg. Zudem freie Referentin und Trainerin für Diversity, Empowerment und Gender.

Daniela Keeß, M.A., leitet im Ressort Produkte & Programme in der Zentralen Geschäftsführung des IB das Referat Familie/besondere Lebenslagen und ist als Referentin zuständig für die Wohnungslosenhilfen/Unterbringung und Betreuung von geflüchteten Menschen.

Dr. Ulrike Lingen-Ali lehrt am Institut für Pädagogik, Fachgruppe Migration und Bildung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Prof. Dr. Paul Mecheril ist Hochschullehrer am Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Direktor des Center for Migration, Education and Cultural Studies.

Prof. Dr. Berthold Meyer lehrt am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg und ist Mitglied des Landesvorstandes Hessen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Dr. habil. Markus Ottersbach ist Professor für Soziologie an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Köln. Seine Lehr- und Arbeitsschwerpunkte sind soziale Ungleichheit, Migration, Stadt- und Jugendsoziologie sowie politische Partizipation.

Julian von Oppen (Dipl.-Päd.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Sozialpädagogik der Freien Universität Berlin.

Judith Sucher, M.A., ist Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit beim Landesverband Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Frankfurt am Main.

Alexander Wohnig ist akademischer Mitarbeiter an der Heidelberg School of Education der Universität Heidelberg und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

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