Kompetenz zum Widerstand

Eine Aufgabe für die politische Bildung

herausgegeben von
Fritz Reheis, Stefan Denzler, Michael Görtler, Johann Waas
unter Mitarbeit von
Martin Becher, Stefan Denzler, Malte Ebner von Eschenbach, Andreas Eis, Mario Förster, Michael Gerten, Markus Gloe, Michael Görtler, Josef Held, Frauke Höntzsch, Werner Karg, Stefanie Kessler, Heiner Keupp, Markus Killius, Lorenz Kutzer, Sonja Lebosch, Gerd Meyer, Claire Moulin-Doos, Tonio Oeftering, Fritz Reheis, Ortfried Schäffter, Armin Scherb, Jörg Schröder, Michael Sladek, Jana Trumann, Johann Waas, Michaela Weiß, Sabine Zelger

Der Ruf nach Widerstand ist populär geworden: gegen die Herrschaft von Banken, das Finanzkapital, Freihandelsabkommen, aber auch gegen „Volksverräter“, „Lügenpresse“ und „Islamisierung“. Solche Widerstandsappelle fordern nicht nur die Zivilgesellschaft, sondern auch die Bildungspraxis heraus, in der es ja meist nicht um Widerstand, sondern um Anpassung an das Gegebene geht. Insbesondere die politische Bildung, die aufgrund der Interdependenz von Politik und Ökonomie auch für die ökonomische Bildung wichtig ist, steht hier vor elementaren Fragen: Ist Mündigkeit ohne die Fähigkeit, „nein“ zu…

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Bestellnummer: 40349
EAN: 9783734403491
ISBN: 978-3-7344-0349-1
Reihe: Wochenschau Wissenschaft
Erscheinungsjahr: 2016
Auflage: 1. Auflage 2016
Seitenzahl: 240
Produktinformationen
Der Ruf nach Widerstand ist populär geworden: gegen die Herrschaft von Banken, das Finanzkapital, Freihandelsabkommen, aber auch gegen „Volksverräter“, „Lügenpresse“ und „Islamisierung“. Solche Widerstandsappelle fordern nicht nur die Zivilgesellschaft, sondern auch die Bildungspraxis heraus, in der es ja meist nicht um Widerstand, sondern um Anpassung an das Gegebene geht. Insbesondere die politische Bildung, die aufgrund der Interdependenz von Politik und Ökonomie auch für die ökonomische Bildung wichtig ist, steht hier vor elementaren Fragen: Ist Mündigkeit ohne die Fähigkeit, „nein“ zu sagen, sich zu verweigern, ohne die Kompetenz zum Widerstand also, überhaupt möglich? Wann ist Widerstand gerechtfertigt oder sogar geboten? Welche Kompetenzen sind erforderlich, um zu entscheiden, wann Widerstand nötig, wer zuständig, welche Form angemessen ist? Was brauchen Menschen, um diese Entscheidung auch praktisch durchzuhalten? Und schließlich: Wie können all diese Voraussetzungen für praktische Mündigkeit erworben werden? Erfahrene zivilgesellschaftliche Widerstandspraktiker und namhafte Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen (Philosophie, Politikwissenschaft, Politikdidaktik) erörtern diese brisante Aufgabe der politischen Bildung.
Inhaltsübersicht

Vorwort der Herausgeber:
Das Thema und die Beiträge

Fritz Reheis
Einführung

1.  Was ist ein erfolgreicher Widerstand?
     Wann sind Menschen widerständig?

Michael Sladek
Die Stromrebellen aus Schönau – ein konkretes Beispiel

Heiner Keupp
Ermutigung zum aufrechten Gang.
Statt „Furcht vor der Freiheit“ das „Handwerk der Freiheit“

2.  Was heißt Kompetenz zum Widerstand?
     – Phänomenologische Annäherungen

Gerd Meyer
Zivilcourage als widerständiges Verhalten im Alltag

Martin Becher
Der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands – Widerstand gegen Neonazis?

Werner Karg
Der Selbstgewissheit widerstehen

Sonja Leboš
Bürger gegen Investoren – Fallstudien aus Kroatien

3.  Kann und soll die Kompetenz zum Widerstand gefördert werden?
     Grundsätzliche Überlegungen aus unterschiedlichen Perspektiven

3.1    Widerstandskompetenz und Rechtfertigungsdiskurs

Frauke Höntzsch
Widerstand – (k)ein Menschenrecht

Michael Gerten
Das Erziehungsziel des mündigen Bürgers im Kontext von Moral und Recht

Markus Killius
Das repressive Ethos – oder weshalb wir eine ,Moral des Widerstands‘ brauchen

3.2     Widerstandskompetenz, Demokratiediskurs und Kompetenzdiskurs

Malte Ebner von Eschenbach, Ortfried Schäffter
Epistemische Widerständigkeit in der Politischen Bildung
– Verantwortungsvoller Umgang mit Differenzen als Demokratiekompetenz

Tonio Oeftering
Kritik und Widerstand aus politiktheoretischer und politikdidaktischer Perspektive

Claire Moulin-Doos, Andreas Eis
Kompetenz zum Widerstand oder zum politischen Ungehorsam?

Armin Scherb
Widerstandskompetenz als Ziel der Politischen Bildung?
– Die pragmatistische Sicht der Dinge

4.  Wie kann die Kompetenz zum Widerstand gefördert werden?
     Praktische Konsequenzen aus soziologischer und erziehungswissenschaftlicher Perspektive

4.1    Widerstandskompetenz und Schule

Mario Förster, Michaela Weiß
Selbstverständlich Demokratie?!
Eine empirische Untersuchung zum Demokratieverstehen von Schülerinnen und Schülern

Stefanie Kessler
Empirische Einblicke in die Unterrichtspraxis von Lehrerinnen und Lehrern.
Handlungsorientierungen für einen kritischen Politikunterricht

4.2    Widerstandskompetenz und Arbeitswelt

Josef Held
Solidarität und Widerstand in der Arbeitswelt

Jörg Schröder
Widerstand als Umgestaltung – über die Ressourcen von Leib und Bewegung in der flexiblen Arbeitswelt

4.3    Widerstandskompetenz und öffentlicher Raum

Lorenz Kutzer
Lernräume der Widerständigkeit.
Die Bedeutung öffentlicher Räume für den Aufbau politischer Widerstandskompetenz  

Jana Trumann
Alternative Lern-Handlungsräume als widerständige Praxis
– Impulse für die (politische) Bildungsarbeit  

4.4    Medien und Methoden

Markus Gloe
Musik als Medium des Widerstands und seine Verwendung im Sozialkundeunterricht

Sabine Zelger
,Der Einkaufswagen hat mich längst durchschaut‘.
Mit Marktsatiren zu widerständiger Bildung

Nachwort der Herausgeber:
Versuch eines Fazits

Autorinnen, Autoren und Herausgeber

Autor*innen

Martin Becher, Geschäftsführer „Bayerisches Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen“ sowie gleichzeitig in dieser Funktion Leiter der „Projektstelle gegen Rechtsextremismus“ in Bad Alexandersbad.

Stefan Denzler, Mitarbeiter der „Projektstelle gegen Rechtsextremismus“ in Bad Alexandersbad.

Malte Ebner von Eschenbach, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Potsdam, Humanwissenschaftliche Fakultät, Department Erziehungswissenschaft, Erwachsenenbildung, Weiterbildung und Medienpädagogik.

Andreas Eis, Professor für Didaktik der Politischen Bildung an der Universität Kassel.

Mario Förster, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Friedrich-Schiller-Universität Jena für den „Aktionsplan Demokratiebildung Thüringen“ im Kompetenzzentrum Rechtsextremismus, Doktorand zum Thema „Demokratische Handlungskompetenzen“.

Michael Gerten, seit 1988 mit einigen Unterbrechungen Lehre und Forschung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in den Fächern Philosophie, Politische Theorie, Betriebswirtschaftslehre sowie philosophische Lehrveranstaltungen an weiteren Hochschulen und in freiberuflichen Seminaren.

Markus Gloe, Leiter der Lehreinheit Didaktik der Sozialkunde am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Michael Görtler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Fort- und Weiterbildung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Josef Held, forscht und lehrt am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen und leitet die Tübinger Forschungsgruppe für Migration, Integration, Jugend und Verbände.

Frauke Höntzsch, Akad. Rätin a. Z. am Lehrstuhl für Politikwissenschaft/Politische Theorie der Universität Augsburg.

Werner Karg, Leitender Regierungsdirektor der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

Stefanie Kessler, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Bildungssoziologie an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften sowie Doktorandin in der Politikdidaktik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Heiner Keupp, emeritierter Professor am Department Psychologie Reflexive Sozialpsychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München; gegenwärtig Gastprofessor an der Universität Bozen.

Markus Killius, Promovend der Theoretischen Soziologie bei Hartmut Rosa an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
 
Lorenz Kutzer, Absolvent des Lehramts für Gymnasien (Englisch, Sozialkunde und Philosophie/Ethik) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Sonja Leboš, Freie Künstlerin und Wissenschaftlerin; 2002 Gründung des Vereins für interdisziplinäre und interkulturelle Forschungen in Zagreb/Kroatien und seit 2014 im grey area space for contemporary and media art auf der Insel KorČula/Kroatien als Projektleiterin tätig.

Gerd Meyer, 1997 bis 2007 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Tübingen mit den Schwerpunkten politische Kulturen und politische Psychologie, politische Systeme der DDR sowie Mittel- und Osteuropas.

Claire Moulin-Doos, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich für Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel im Fachgebiet Didaktik der Politischen Bildung.

Tonio Oeftering, Juniorprofessor für Politikdidaktik am Institut für Politikwissenschaft/Zentrum für Demokratieforschung an der Leuphana Universität Lüneburg.

Fritz Reheis, 2007 bis 2015 Selbstständiger Fachvertreter für Didaktik der Sozialkunde an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Ortfried Schäffter, emeritierter Professor für Theorie der Weiterbildung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Armin Scherb, Selbstständiger Fachvertreter für Didaktik der Sozialkunde an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg.

Jörg Schröder, Fachvertreter für Sportdidaktik am Institut für Sportwissenschaft der Universität Rostock.

Michael Sladek, medizinisch tätig als Allgemeinarzt in eigener Praxis in Schönau im Schwarzwald, energiewirtschaftliche Beratung gemeinnütziger Organisationen, Aufsichtsratstätigkeiten in Genossenschaften, Geschäftsführertätigkeit bei der Stadtwerke Stuttgart Vertriebs GmbH.

Jana Trumann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Bildungswissenschaften im Fachgebiet Erwachsenenbildung/Politische Bildung der Universität Duisburg-Essen.

Johann Waas, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Politische Theorie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Michaela Weiß, Berlin, seit 2015 Referentin für Bildung und Kultur im Kultusministerium in Sachsen-Anhalt; Mitglied in der Jury des Förderprogramms Demokratisch Handeln; Doktorandin zum Thema „Demokratische Handlungskompetenzen“ an der Georg-August-Universität Göttingen.

Sabine Zelger, Literaturwissenschaftlerin und Fachdidaktikerin am Institut für Germanistik an der Universität Wien.

Stimmen zum Buch

"Insgesamt bietet der Band einen spannenden Einblick in Praxen und Theorie widerständigen Verhaltens und der noch in den Kinderschuhen befindlichen Diskussion um die Widerstandskompetenz und ist somit sowohl für außerschulische und schulische politische Bildner*innen als auch für Personen interessant, die Interesse an der Widerstandsthematik haben."

Alexander Wohnig, POLIS 2/2017

"Politische Urteils- und Handlungskompetenz wird durch einen spannenden Perspektivenwechsel an vielen Stellen konkretisiert und zugespitzt, bei gleichzeitiger theoretischer Reflexion. Insofern ist dieser Band nur sehr zu empfehlen."

Prof. Dr. Bernd Overwien, DVPB Bayern

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Ein multidisziplinärer Blick auf die Werdegänge 478 gewaltbelasteter Kinder und ihre Hilfesysteme auf Grundlage der KiD-Verlaufsstudie
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Urteilspraxis und Wertmaßstäbe im Unterricht
Ethik, Englisch, Geographie, Geschichte, politische Bildung, Religion
Fachliches Lernen im Unterricht verlangt von Lernenden und Lehrenden auf vielen Ebenen Urteilsvermögen, um streitbare Positionen verhandeln und bewerten zu können. Fraglich ist, wie Urteilsbildung jenseits der Beliebigkeit von Meinungen oder des machtvollen Besserwissens gelingen kann. „Das wird man ja noch sagen dürfen!“ ist ein Satz, der immer wieder zu hören und zu lesen ist. Statt einem anything goes das Wort zu reden, regt dieser Band über Fächergrenzen hinweg zu einer neuen Verständigung über eine derzeit wenig reflektierte Urteilspraxis an: Worüber wird in den jeweiligen Fächern geurteilt? Welche Rolle spielen Emotionen angesichts einer seit Kant stark kognitiv geprägten Vorstellung von Urteilsfähigkeit? Wie sind relevante Bewertungsmaßstäbe für „richtiges“ Urteilen und/oder Handeln zu gewinnen? Welche didaktisch-methodischen Konzepte sind geeignet, eine Provokation sozial erwünschter Antworten oder einen unfruchtbaren Schlagabtausch von Meinungen zu vermeiden?
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Politische Bildung und Flucht – ein Paradigmenwechsel?!
Die deutsche Migrationspolitik ist nach 2015/16 nicht mehr die gleiche wie zuvor. Auch in der politischen Bildung zeigt sich ein Paradigmenwechsel. Es haben sich Ansätze einer politischen Bildung für und mit Geflüchteten entwickelt, die die Perspektive der Rechte in den Mittelpunkt stellen. Die versammelten Fachbeiträge und Projektbeschreibungen widmen sich unter anderem dieser Entwicklung.
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