Gewinner und Verlierer

von
Bundesverband der Geschichtslehrer Deutschlands und Landesverbände
unter Mitarbeit von
Martin Schulze Wessel, Rolf Schörken, Hans-Christof Kraus

Martin Schulze Wessel: Gewinner und Verlierer Der Autor beleuchtet einige wichtige Aspekte des Mottos der diesjährigen Historikertages „Gewinner und Verlierer“. Die Rede davon gehört seit der Antike zum Kernbestand historischen Geschehens, heute ergänzt um Prozesse der Modernisierung, Urbanisierung und Globalisierung. Gewinner und Verlierer gibt es nicht nur in der Ereignisgeschichte, auch in der Deutungsgeschichte. Eine Behandlung des 1. Weltkrieges und seiner Folgen ist besonders aufschlussreich, erweisen sich doch Kriegsgewinner wie Frankreich und England langfristig als Verlierer, während…

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18,70 €

Bestellnummer: 4956
EAN: 9783899749564
ISBN: 978-3-89974956-4
Format: Broschur
Reihe: geschichte für heute
Erscheinungsjahr: 2014
Auflage: 1.
Seitenzahl: 144
Produktinformationen

Martin Schulze Wessel: Gewinner und Verlierer
Der Autor beleuchtet einige wichtige Aspekte des Mottos der diesjährigen Historikertages „Gewinner und Verlierer“. Die Rede davon gehört seit der Antike zum Kernbestand historischen Geschehens, heute ergänzt um Prozesse der Modernisierung, Urbanisierung und Globalisierung. Gewinner und Verlierer gibt es nicht nur in der Ereignisgeschichte, auch in der Deutungsgeschichte. Eine Behandlung des 1. Weltkrieges und seiner Folgen ist besonders aufschlussreich, erweisen sich doch Kriegsgewinner wie Frankreich und England langfristig als Verlierer, während die neu entstehenden Staaten in Ost- und Südosteuropa sich als Gewinner fühlen können. Doch bedeutsamer als eine Gewinnergeschichte für die Geschichtswissenschaft wie gesellschaftlich/staatliche Bewusstseinsentwiclung erweist sich eine Behandlung der Verlierer.

Martin Schulze Wessel: Winners and Losers
The author highlights several relevant aspects of the motto of this year's Historikertag: “Winners and Losers”. The talk of it has been a key constituent of historical occurrences ever since antiquity and has lately seen an addition in procedures of modernization, urbanization and globalization. Winners and losers do not only exist in the history of events, but also in the history of interpretation. Dealing with the First World War and its consequences is especially instructive since winners like France and England would turn out as losers in the long run whereas the newly emerging countries in Eastern and Southern Europa can feel like winners. With regard to historiography as for the development of social/political consciousness, the treatment of losers proves even more significant than a history of winners.

Rolf Schörken: Erinnerungen an die HJ-Erziehung
Der Autor reflektiert seine Kindheits- und Jugendlichenerinnerungen, bruchstückhaft für die Zeit als fünfjähriger „Pimpf“, differenziert für die Zeit beim Jungvolk, der HJ und als Luftwaffenhelfer. Er bietet eine problemorientierte Darstellung der politischen Gefühlslandschaft seiner Kinderzeit und Jugend, bei der auch die Bedeutung der Leitwörter des NS-Regimes (Fahne, Ehre, Führer, Vaterland, Kameradschaft, Großdeutschland, Das Reich, Volk) aus der Sicht der damals Betroffenen kritisch dargestellt werden, gefolgt von der Behandlung „jugendlicher Feindbilder“ sowie den Erfahrungen und Lernprozessen des 15-jährigen Luftwaffenhelfers („Lernen der letzte Dreck zu sein“). Der Autor verbindet dabei die Perspektive von damals mit der Weiterentwicklung von Sehweisen des Geschehens bis heute.

Rolf Schörken: Memories of Hitler Youth-Education
The author reflects his childhood and juvenile memories – fragmentary in the case of the five-year-old “Pimpf”, and more complex for the times at the Jungvolk, the Hitler Youth and as Luftwaffe auxiliary personnel. He offers a problem-oriented account of the (political) emotional landscape of his childhood and youth, which also echos the meaning of key terms of the National Socialist Regime (flag, honour, Führer, fatherland, comradeship, Greater Germany, the Reich, the German people) from the perspective of then affected youths. He continues with the treatment of “juvenile enemy stereotypes” as well as the experiences and processes of learning of a 15-year-old Luftwaffe auxiliary soldier (“learning to be the ultimate scum”). The author connects the scope of that time with the development of perspectives up to the present day.

Hans-Christof Kraus: Neues zur Urkatastrophe. Aktuelle Veröffentlichungen zum Ersten Weltkrieg
Der Autor behandelt 24 aktuelle Veröffentlichungen (eins von 2006, 3 aus 2011, 20 von 2013-14) zum Ersten Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Dabei wird deutlich, dass von einer jüngeren Historikergeneration, die Fischer-Thesen zunehmend kritisch gesehen werden.

Hans-Christof Kraus: News on the Great Seminal Catastrophe. Current Publications on the First World War
The author reviews 24 contemporary publications on the First World War as the great seminal catastrophe of the 20th century (one publication from 2006, three from 2011, 20 published during the last two years). His observations reveal that a younger generation of historians regard F. Fischer's theses on the German war guilt (Germany's key debate on the war in the sixties) more and more critically.

Inhaltsübersicht

Gewinner und Verlierer

Martin Schulze Wessel: Gewinner und Verlierer

Rolf Schörken: Erinnerungen an die HJ- Erziehung

Hans-Christof Kraus: Neues zur Urkatastrophe. Aktuelle Veröffentlichungen zum Ersten Weltkrieg

Institutionen stellen sich vor

Sonderausstellungen zum Ersten Weltkrieg.
Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin

Ein unbequemes Denkmal: der „Grüne Wall im Westen“

Berichte aus dem Bundesverband und den Landesverbänden

Vorstellung der Sektionen des VGD beim Historikertag in Göttingen

Zahlreiche Buchbesprechungen aus Fachwissenschaft und Fachdidaktik

Autor*innen

Prof. Dr. Hans-Christof Kraus
Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Passau, Innstr. 25, 94032 Passau

Prof. Dr. Rolf Schörken
Vorsitzender der Richtlinienkommission Politische Bildung in NRW („Schörken-Richtlinien“), Geschichts- und Poklitikdidaktiker, 1974-1992 an der Universität Duisburg

Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, Lehrstuhl für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilian-Universität München, Maria-Theresia-Str. 21, 81675 München

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Computerspiele mit historischem Hintergrund werden immer beliebter und haben prägenden Einfluss auf die Vergangenheitsvorstellungen Jugendlicher und junger Erwachsener. Am Beispiel des Dokumentarmodus des im Alten Ägypten spielenden „Assassin’s Creed: Origins“ untersucht Mathias Herrmann mit fachwissenschaftlichem und fachdidaktischem Blick, welches Potential das Medium Computerspiel für den Geschichtsunterricht hat. Die geschichtskulturelle Abhandlung von Manuel Köster untersucht am Beispiel des Hermannsmythos die politische Instrumentalisierung einer „empirisch nicht triftigen Narration“ (J. Rüsen) im „langen 19. Jahrhundert.“ Dabei werden die Verwendung des Mythos und seine Veränderungen unter wechselnden politischen Vorzeichen zur antinapoleonischen, antifranzösischen, antikatholischen oder völkischen Agitation dargestellt. Der diachrone Vergleich verschiedener Quellengattungen zeigt dann das heuristische Potential für die Analyse des gesellschaftlichen Umgangs mit Geschichte auf. Anhand zweier neuer Großsynthesen erörtert Herfried Münkler in seinem Aufsatz grundlegende Fragen einer modernen Geschichte des Krieges. Eine mögliche Perspektive privilegiert die Frage, wie Kriege gehegt, wenn möglich verhindert werden können. Wer die Geschichte Europas vom ausgehenden 17. Jahrhundert bis 1990 so erzählt, muss freilich manches ausblenden, etwa die Verlagerung exzessiver Gewalt an die (z.T. koloniale) Peripherie. Welchen Wert das Lernen der Europäer für Gegenwart und Zukunft in einer globalisierten Welt haben kann, muss zweifelhaft bleiben. Zu diskutieren ist ferner die Annahme, zeitweilige Konjunkturen des Krieges hätten die europäische Entwicklung in Richtung auf Fortschritt beschleunigt. Dem gegenüber steht eine ‚kältere‘, analytischere Sicht, die sich nicht auf die europäische Neuzeit beschränkt, sondern generell den Wandel des Krieges in Abhängigkeit von der Naturbeherrschung des Menschen studiert. Dieser sozio-ökonomische bzw. -ökologische Zugriff, der als Leitstruktur die Trias von Wildbeuter-, Agrar- und Industriegesellschaft zugrunde legt, kann langfristige Prozesse erhellen und zu einer universalgeschichtlichen Typologie des Krieges gelangen. Freilich ist diese Perspektive nicht leicht durchzuhalten, zumal wenn es die beiden großen Kriege des 20. Jahrhunderts zu erklären gilt. Der Beitrag von Jörn Rüsen zielt darauf, die strikte Opposition von „Standardisierung oder Pluralisierung“ durch eine „Standardisierung der Pluralisierung“ zu ersetzen. Ausgehend von Art. 1 GG gibt die Menschenwürde als universelle Norm dem Geschichtsunterricht eine kulturdifferenzübergreifende anthropologische Grundlage und Ausrichtung. Empirisch weitet diese Norm den historischen Blick auf die Menschheit und ihre vielfältige Ausprägung der Lebensformen in Raum und Zeit. Dabei bezieht sich unser kulturell verpflichtendes Verständnis der Menschenwürde auf den individualisierten einzelnen Menschen als Person; es schließt Anerkennung wie Kritik ein. Die auch geschichtsdidaktisch relevante Frage nach der deutschen Identität widerspricht dem nicht, wenn diese durch eine ausgeprägte Offenheit gegenüber Strittigkeit und Zukunft sowie einen inneren Bezug auf eine transnationale Menschheit definiert wird. Die Geschichtsdidaktik hat nur dann die Chance, einer Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken, wenn sie die (deutsche) Nation angemessen thematisiert.
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In den Beiträgen zum Schwerpunkt dieser Ausgabe wird das Hansebild in der aktuellen Forschung beleuchtet. Die Hanse wird gegenwärtig als loser Zusammenschluss von Kaufleuten und Städten zur Beförderung gemeinsamer primär wirtschaftlicher Interessen verstanden. Jenseits dieses allgemeinen Verständnisses haben verschiedene Forschungsstränge vor allem die Heterogenität und die dynamische Entwicklung dieses Phänomens betont, das über ein halbes Jahrtausend in Nordeuropa wirkte. Nicht begründet in der Forschung ist allerdings der heute in der Öffentlichkeit beliebte EU-Vergleich. F. Bernward Fahlbusch untersucht in seinem Beitrag die Darstellung der Hanse in den Schulbüchern der Generation ca. 2005 bis 2020 und prüft, ob die Fortschritte der Historiographie Berücksichtigung gefunden haben. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Rezension der (unzulänglichen) kartographischen Darstellungen gelegt.  
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Das historische Urteilen, lange ein kaum behandeltes Feld des Geschichtsunterrichts, gerät in den letzten zehn Jahren immer mehr in den Fokus der Fachdidaktik und wird auch in den Lehrplänen immer prominenter. Angesichts der Wichtigkeit des Anforderungsbereiches III für das historische Lernen verwundert es kaum, dass sich in den Kollegien der Ruf häuft, griffige Fortbildungen zum Urteilen präsentiert zu bekommen. Das ist verständlich, denn Urteilen ist ein schwieriges Geschäft. Da die empirische Forschung noch in den Anfängen steckt, sind lediglich Annäherungen an das Urteilen möglich. Gleichzeitig verspricht diese noch offene Situation eine gewisse Kreativität und eine flexible Vielfalt in den Lösungsansätzen, von denen wir einige in diesem Heft vorstellen wollen. Alle Beiträge sind praxisorientiert, wollen das Schreiben fördern und nutzen tatsächlich erprobte oder im Abitur eingesetzte Aufgabentypen, um ihre jeweiligen Vorschläge zu veranschaulichen, den Umgang damit zu analysieren oder zu kritisieren.
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Ostmitteleuropa nach 1918
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Die Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg führte zu einer historischen Zäsur, die nicht nur die politische Landkarte dieses Teils der Welt veränderte, sondern auch die Flucht und Vertreibung von mehr als einer Million Menschen zur Folge hatte. Im Mittelpunkt stand dabei der am 10. August 1920 unterzeichnete Vertrag von Sèvres, der letzte der fünf Pariser Vorortverträge, die nach der Niederlage des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten unterzeichnet worden waren. Der Vertrag von Sèvres sollte nach dem Willen der Siegermächte eine quasi-koloniale Ordnung in den Gebieten umsetzen, die bis dahin dem Osmanischen Reich gehörten. Dies beinhaltete die Absicht, das Territorium der heutigen Türkei zu zerlegen und in Einflussbereiche zu unterteilen. Das türkische Volk widersetzte sich jedoch diesem „Todesurteil“; und vier Jahre nach dem Waffenstillstand von Mudros musste die Suche nach Frieden im Orient nahezu von vorne beginnen. Das Ergebnis war der Frieden von Lausanne vom 24. Juli 1923, der der Region eine völlig andere Nachkriegsordnung gab, als es der Vertrag von Sèvres vorgesehen hatte. Während der Vertrag von Sèvres von den Türken als nationale Demütigung wahrgenommen wurde, half der Vertrag von Lausanne ihnen, ihren Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung zu verwirklichen. Józef Piłsudski (1867 – 1935) verkörpert wie kein anderer die Wandlungen der polnischen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er gilt als Vater der 1918 wiedererlangten Unabhängigkeit und Verteidiger der Freiheit gegen den Bolschewismus. Aber er putschte auch 1926 gegen eine gewählte Regierung und regierte Polen bis zu seinem Tod autoritär. Der Beitrag von Stephan Lehnstaedt untersucht die Mystifizierung Piłsudskis seit der Zwischenkriegszeit, aber auch den Wandel der Perzeptionen angesichts der Umbrüche 1945 und 1990. Außerdem wird gezeigt, wie die heutige polnische Regierung den „Vater des Vaterlands“ mit seinen vormodernen Staatsvorstellungen in ihr Geschichtsbild vom ethnisch homogenen Nationalstaat integriert. Paweł Machcewicz schlug 2007 vor, ein Museum des Zweiten Weltkriegs in Polen zu gründen. Die brutale deutsche und kurze Zeit später auch sowjetische Besetzung Polens und vieler anderer anderer Staaten in Ostmitteleuropa sollte einer internationalen Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Die häufig vernachlässigten Erfahrungen der Polen und der anderen osteuropäischen Nationen sollten so in das internationale Bewusstsein rücken. Es überraschte ihn, als gerade von der rechten Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) Sturm gegen die Museumspläne geblasen wurde. Seine Gegner warfen ihm „Pazifismus“ vor und dass er die Heldentaten polnischer Kämpfer ausblende. Tatsächlich ist ein Wesenszug des Museums ein vergleichender internationaler Zugang zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Es gelang Paweł Machcewicz, das Museum 2017 trotz großer Widerstände zu eröffnen, im selben Jahr verlor er aber seinen Posten als Museumsdirektor. Ein gegenwärtiger Trend im Bereich digitaler Formate der Geschichtsvermittlung liegt in der Entwicklung und Nutzung von Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen. Neben Gedenkstätten, Medienanstalten und Museen setzen auch Produzenten aus den Bereichen Touristik, Stadtmarketing und Spieleindustrie auf die neue Technologie. Allen Angeboten gemein ist der Anspruch, Vergangenheit „erlebbar“ und „nachvollziehbar“ darstellen zu wollen und den Nutzerinnen und Nutzern somit ein „Eintauchen“ (= Immersion) in die historischen Situationen zu ermöglichen. Dass dabei eine kritische Distanz zum Dargestellten häufig unterlaufen wird, ist nicht nur ein Manko bei Virtual-Reality-Angeboten kommerzieller Anbieter, sondern wird auch von Institutionen der historisch-politischen Bildung billigend in Kauf genommen – was u. a. eine Abkehr vom „Beutelsbacher Konsens“ darstellt. Der Beitrag führt in den Bereich der Augmented- und Virtual-Reality ein, verweist auf Beispiele aus dem Bereich der außerschulischen Geschichtsvermittlung (u. a. Virtual-Reality-Angebote von Gedenkstätten, Museen, Medienanstalten) und eröffnet Perspektiven für eine kritisch-reflektierte Nutzung im Geschichtsunterricht.
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Geschichte ist in der Sek I ein weitgehend mündliches Fach. Während die allgemeine Sprachkompetenz immer weiter zurückgeht, haben viele Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten, sich im Geschichtsunterricht fachangemessen auszudrücken, besonders im schriftlichen Bereich. Dabei haben sprachliche Quellen immer noch einen bedeutenden Anteil im Unterricht. Als Aufgabe für Seminarausbildung ergibt sich Handlungsbedarf: Lehramtsanwärter müssen in Planung- und Durchführungsebene geschult werden, im Blick auf sprachsensiblen Geschichtsunterricht fach- und sachangemessene Aufgaben zu stellen. Dies gilt nicht nur für sprachliche Quellen, sondern auch für Bilder, Fotos und Audioquellen.  Geschichtsunterricht an modernen Schulen findet in Klassen statt, deren Schüler unterschiedliche kulturelle und sprachliche Voraussetzungen haben. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Lehrpersonen dahingehend zu schulen, dass sie die sprachlichen Voraussetzungen von anspruchsvollen Texten im Unterricht klären können. Die Schüler werden dadurch dazu befähigt, nicht nur Geschichte, sondern auch (Fach-)Sprache zu lernen. Um Schülerinnen und Schüler über die sprachlichen Voraussetzungen historischen Lernens aufklären zu können, müssen Lehrer die bildungssprachlichen Anforderungen der Gegenstände, die sie lehren, verstehen. Bildungssprache unterscheidet sich von Alltagssprache. Nicht selten haben Schüler noch wenig Erfahrung mit den sprachlichen Voraussetzungen der Texte und Aufgaben, die ihnen im Geschichtsunterricht der Schule begegnen. Kurz: Es ist nicht nur wichtig zu erkennen, dass Geschichte eine sprachbasierte Disziplin ist. Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer müssen bei der Klärung bildungssprachlicher Voraussetzungen historischen Lernens auch unterstützt werden. Bei vielen Lernenden, unabhängig davon, ob ein- oder mehrsprachig, besteht in Deutschland ein großes Defizit im Hinblick auf ihre Lese- und Schreibkompetenz. Dadurch entstehen häufig Verständnisprobleme im Umgang mit Lehrbuchtexten und Quellen. Diese Kompetenzen entwickeln sich nicht automatisch, sondern bedürfen einer stetigen Einübung und professionellen Entwicklung. Syntaktische Strukturen und entsprechende Begriffe müssen eingeführt und reflektiert werden. Schließlich gilt es, großes sprachliches Potential ebenso zu erschließen, wie die Möglichkeit, eigene Denk- und Ausdrucksprozesse bei den Lernenden. Hierdurch wird die wichtigste Kompetenz von allen gefördert: selbstbestimmtes, kritisches Denken.   Ein neuer Service für unsere Leserinnen und Leser: das Beitragsverzeichnis! Nach zehn Jahrgängen der gfh seit 2008 ist es schwierig, die Übersicht zu wahren. Daher haben der Wochenschau Verlag und die Redaktion ein vollständiges Beitragsverzeichnis online gestellt, das nach Autoren (alphabetisch) und übergeordneten Themen geordnet ist. Außerdem sind alle vorgestellten Institutionen aufgelistet. Über eine Suchfunktion lässt sich eine Recherche leicht durchführen. Sie finden es auf der Homepage der Zeitschrift:http://geschichtefuerheute.de/beitragsverzeichnis/
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Die friedliche Revolution in der DDR und der blutige Regimewechsel in Rumänien bilden die Gegenpole in der Geschichte des Umbruchs von 1989/90. Sie markieren – zwischen Kerzendemonstration und Massenerschießung – das politische Handlungsspektrum, in dem sich der Sturz der kommunistischen Diktaturen vollzog. Die Folgen für die gesellschaftlichen Umwandlungsprozesse waren schwerwiegend und prägen die Erinnerung an „1989“ bis heute. Vor diesem Hintergrund diskutiert der Beitrag von Peter Ulrich Weiß, Wunder der Gewaltlosigkeit? Die Revolutionen 1989/90 in der DDR und in Rumänien, die historischen Ursachen für die Gewaltabkehr bzw. die Gewalteskalation. Der Aufsatz von Manfred Kittel, Vom Pragmatismus zur Moralpolitik – Siebzig Jahre „Vergangenheitsbewältigung“ in der Bundesrepublik Deutschland, misst „Erfolg“ oder „Misserfolg“ der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus in der Bundesrepublik vor allem an deren Bedeutung für die politische Stabilität der zweiten deutschen Demokratie. Aus diesem Grunde herrschte anfänglich ein robuster Pragmatismus des wechselseitigen „Beschweigens“ (H. Lübbe) vor; das nur auf diesem Wege für erreichbar gehaltene Ziel demokratischer Stabilität stand allerdings von Anfang an in einem Spannungsverhältnis zu weitergehenden moralischen Erwartungen nicht nur auf Seiten der NS-Opfer. Die weitere Entwicklung war dann seit den 1980er-Jahren von einer zunehmenden Moralisierung geprägt.Wer nach der Stabilität der zweiten deutschen Demokratie fragt, muss über den Umgang mit den unmittelbaren Folgen der NS-Diktatur hinaus zudem mittelbare, im weiteren Sinne mentalitätsgeschichtliche Folgen dieser Vergangenheit für die großen Linien der Politik der Bundesrepublik bedenken. Die Demokratie gilt besonders in Ostdeutschland als gefährdet. Viele Statistiken suggerieren, dass die Ostdeutschen nicht in der Demokratie angekommen seien. Der Artikel von Frank Bösch, „Sonderfall Ostdeutschland?“ Zum Demokratieverständnis in Ost und West, differenziert diese spektakulären Meldungen. So wird deutlich, dass in vielen Bereichen die Unterschiede zwischen Ost und West gering groß sind und es eine deutliche Annäherung bei der Demokratieakzeptanz gibt. Weniger akzeptiert ist etwa in Ostdeutschland nicht die Demokratie, sondern deren Umsetzung. Abschließend wird hinterfragt, wie aussagekräftig die Unterteilung in Ost und West ist.
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Abstracts Jürgen Kocka: Gespaltene Gesellschaft? Die gegenwärtige Krise in historischer PerspektiveMit der Chiffre der „gespaltenen Gesellschaft“ wird die Wahrnehmung einer komplexen, teils widersprüchlichen Krisenhaftigkeit angezeigt, die Veränderungen in der Arbeitswelt, wachsende soziale Ungleichheit, vielfältige Zukunftsängste, Flucht- und Migrationsphänomene, politische Instabilität durch populistische Bewegungen und auf internationaler Ebene neuen Protektionismus bei gleichzeitigen Globalisierungsschüben bündelt. Seit dem 19. Jahrhundert hat der „organisierte Kapitalismus“ in Westeuropa den Sozialstaat tief verankert und ausgeweitet, während die gegenwärtige Globalisierung alle erreichten Standards in Frage stellt. Eine Folge davon ist die durch die Migrationskrise genährte antiliberale Systemkritik rechtspopulistischer Kräfte, die sich gegen die etablierten „Eliten“ wendet, die der liberalen Ordnung verhaftet sind. Bisher war diese Ordnung international lange durch den Einfluss der USA stabil gehalten worden, doch mit dem Schwinden ihrer politisch-kulturellen Macht wird Europa mehr auf sich selbst gestellt. Gleichzeitig erhöht die globale Digitalisierung über z. B. die „sozialen Medien“ politische Beteiligungschancen vieler Individuen, die sich in einer schärferen Kritik an der liberalen Ordnung und repräsentativen Demokratie äußert, und erzeugt einen neuen Strukturwandel der  Öffentlichkeit, in der illiberale Alternativen an Attraktivität gewinnen. Doch im historischen Vergleich relativiert sich die Krisenhaftigkeit der Gegenwart und öffnet den Blick auf den hohen Grad von Konsens und auf gegenläufige Entwicklungen, die immer noch in der deutschen Gesellschaft zu entdecken sind. Daher ist es am Ende nicht eindeutig, dass wir in einer „gespaltenen Gesellschaft“ leben. Herfried Münkler: Gespaltene GesellschaftenGeteilte Gesellschaften, in denen viele Trennlinien zwischen unterschiedlichen Parteien und Gruppen vorliegen, können ihren friedlichen Zustand des Zusammenlebens verlassen und gespaltene Gesellschaften werden, in denen zwei Gruppen sich antagonistisch bekämpfen. Liberale Gesellschaften haben eine hohe Geteiltsheitstoleranz. Gegenwärtig dramatisieren Gruppen die Migrationssituation und verlieren sich nostalgisch in einer Vorstellung einer homogenen Gemeinschaft, die es historisch nie gegeben hat. Spaltung beginnt in den Köpfen der Beobachter. An drei Beispielen veranschaulicht Herfried Münkler diese Beobachtung: An der Vor- und Verlaufsgeschichte des Dreißigjährigen Kriegs, am Kommunistischen Manifest und an den Vorstellungen der „Neuen Rechten“, die mittels Spaltung der Gesellschaft gegenwärtig zu einer gedachten ethnisch-kulturellen Homogenität zurückkehren will. Markus Bernhardt: Neue Ideen zur Bildanalyse im Geschichtsunterricht der MittelstufeBilder sind, um ihr Lernpotenzial zu entfalten, als Quelle zu behandeln. Vom dekorativen Einsatz ist abzusehen, denn Bilder zeigen nicht die Wirklichkeit, sondern sie sind eine Aussage über sie. Zur Erschließung der Bildaussage stellt die Geschichtsdidaktik Methoden zur Verfügung, doch die Zuordnung dieser Methoden zu bestimmten Verstehensprozessen ist noch ohne theoretische Absicherung. Elemente dieser Annahmen sind dabei sinnvoll, weil sie mit einem von der kognitivenPsychologie entwickelten Verstehensmodell korrespondieren. Damit besteht eine theoretische Legitimation der Methoden. Die Folgen der Überlegungen für den Geschichtsunterricht liegen in der Schulung der Wahrnehmung und in einer Ausweitung der Hintergrundinformationen.
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